Fehlercodes – Männer die auf LEDs starren

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Jeder Besitzer eines modernen Automobils kennt das: Warnleuchte im Tacho geht an, der Werkstattmensch holt sein OBD-Diagnosegerät raus, stöpselt dies an das Auto und schon weiß man wie teuer es wird. Oder zumindest welche elektronische Einheit wohl getauscht werden muss.

Das kann der Volvo auch! Nur benötigt man dafür keinerlei Spezialgerät, hier ist alles „On-Board“ es heißt ja auch On Board Diagnose (OBD).
Es handelt sich dabei um ein kleines unscheinbares Kästchen montiert am fahrerseitigen Federbeindom im Motorraum.

Diagnosebox im Motorraum

Diagnosebox im Motorraum

Diagnosebox geöffnet

Diagnosebox geöffnet

Zuerst macht man die Zündung des Autos an. Dann nehme man den Deckel ab, stöpsele den kleinen Stecker, der noch im Deckel stecken sollte, in eines der 6 Löcher ein und drücke den Taster kurz. Nun wird sich die LED melden, wenn der entsprechende Sockel (das ausgewählte der 6 Löcher) belegt ist oder die Verbindung zum Steuergerät nicht in Ordnung. Die LED blinkt nun einen dreistelligen Code aus. kurz an – Pause – kurz an – Pause – kurz an ist dabei das gewünste Ergebnis entsprechend dem Fehlercode 1-1-1. Fehlercode 1-3-4 würde sich darstellen als:
kurz-Pause-kurz-kurz-kurz-Pause-kurz-kurz-kurz-kurz. Nachdem der Fehlercode ausgeblinkert wurde, kann man den Taster erneut drücken und der nächste Fehlercode (wenn denn noch einer im Speicher) wird aus gleiche Weise angezeigt.

 
So kann man sich also durch seine Fehlerliste „Blättern“ aber man sollte Zettel und Stift dabei haben, das kann sich ja kein Mensch merken.
Jede Fehlerliste geht einmal zu Ende und dann fängt das Ding mit dem zuerst ausgegebenem Fehler wieder an. Man muss nun geduldig noch einmal bis zum letzten Fehler „Blättern“ (den man sich ja notiert hat) wird dieser dann ausgeblinkert drückt man den Knopf seeehr lange ain (mindestens aber 5 Sekunden, bei mir dauert es oft länger). Dann lässt man den Knopf los. Nun leuchtet die LED, jetzt muss man noch einmal seehr lange den Knopf drücken und ihn dann wieder loslassen. Die LED sollte nun aus sein. Jetzt kann man testen, ob der Fehlerspeicher wirklich leer ist indem man den Knopf wieder einmal kurz betätigt. kommt nun 1-1-1 heraus hat es geklappt. Wenn nicht? Noch einmal Zündung aus und wieder an und den Prozess des zweimal(!) auslesens wiederholen.

Sicherlich ist die Prozedur etwas umständlich, aber man kann sie dafür auch auf einem verschneiten Rastplatz nutzen, wenn der Motor komische Sachen macht.

Die Sockel der Diagnosebox sind nummeriert, der Prozess des Auslesens funktioniert bei jedem Sockel gleich.

Sockel Nr:
1 – alarm and remote locking system,
2 – fuel system,
3 – ABS,
5 – (empty),
6 – cruise control,
7 – SRS (airbag).

Meine Lieblingssockel sind dabei Nummer 2 und 3 für die Motorsteuerung und das ABS, für ein fehlerhaftes Airbagsystem gibt es im Tacho eine kleine Lampe, das Zentralverriegelungsmodul ist ohnehin ein Scheißding (dazu wird es einen extra Artikel geben) und ein Tempomat ist nicht verbaut.

Hier kommen die Codes:

Sockel 1:

1-1-1 No error code set
1-1-3 Transmitter to receiver: weak signal
1-1-4 Control Module (CM) faulty
2-1-1 Relay contacts, fuse or ground terminal (locking)
2-1-2 Relay contacts, fuse or ground terminal (unlocking)
2-2-1 Fuse or ground terminal (locking)
2-2-2 Fuse or ground terminal (unlocking)
2-2-3 Codes 2-2-1 and 2-2-2 combined
3-1-2 Siren: internal fault
3-2-1 Siren: power supply
4-1-2 Ultrasonic system: internal fault
4-1-3 Ultrasonic system: one or more sensors faulty
5-1-1 Key switch ground on (> 10 seconds)
5-1-2 Key switch ground off (> 10 seconds)
5-1-3 Locking door with ignition on
5-1-4 Unlocking door with ignition on
5-2-1 Central locking system switch (> 10 seconds locked)
5-2-2 Ultrasonic switch (> 20 seconds locked)
5-3-1 Interior lights, shorting to earth

Sockel 2:

1.1.1 Anlage störungsfrei
1.1.2 Steuereinheit kontrollieren
1.1.3 Einspritzventil kontrollieren
1.2.1 Luftdruckgeber kontrollieren
1.2.2 Lufttemperaturfühler kontrollieren
1.2.3 Wassertemperaturfühler kontrollieren
1.3.2 Batteriespannung kontrollieren
1.4.3 Klopfsensor kontrollieren
2.4.4 Klopfsensor kontrollieren
2.1.1 Co-Potentiometer kontrollieren
2.1.2 Sauerstoffsensorsignal
2.3.1 Lambdafehler im Teillastbereich
2.3.2 Lamdafehler im Leerlauf
2.2.2 Systemrelaisspule kontrollieren
2.2.3 Leerlaufdrehzahlregler kontrollieren
2.4.3 B18EP/FP: Drosselklappengeber kontrollieren
3.1.1 Tachometersignal kontrollieren
3.1.3 Kohlenstofffilterventil kontrollieren
3.2.4 Hilfswasserpumpe kontrollieren
3.4.3 Hauptrelaisspule kontrollieren
4.1.1 B18U, B20F: Drosselklappengeber
4.1.2 nur Volvo 480: Vollastsignal ohne Funktion

Sockel 3 (ABS MARK 4):

1.1.1 Kein Fehler
1.2.1 Raddehzahlsensor,vorne links bei unter 40kmh
1.2.2 “ , vorne rechts „
1.2.3 “ , hinten links „
1.2.4 “ , hinten rechts „
1.4.1 Bremspedalwegsensor
1.4.2 Bremspedalschalter
1.4.3 ABS-Steuergerät
2.1.1 Raddehzahlsensor, vorne links Signalfehler
2.1.2 “ , vorne rechts „
2.1.3 “ , hinten links „
2.1.4 “ , hinten rechts „
2.2.1 Raddehzahlsensor, vorne links kein Signal
2.2.2 “ , vorne rechts „
2.2.3 “ , hinten links „
2.2.4 “ , hinten rechts „
3.1.1 Raddehzahlsensor, vorne links, Stromkreis
3.1.2 “ , vorne rechts „
3.1.3 “ , hinten links „
3.1.4 “ , hinten rechts „
3.2.1 Raddehzahlsensor,vorne links unter 40kmh
3.2.2 “ , vorne rechts „
3.2.3 “ , hinten links „
3.2.4 “ , hinten rechts „
4.1.1 Einlaßventil links vorne, Fehler Stromkreis
4.1.2 Auslaßventil rechts vorne, “ „
4.1.3 Einlaßventil rechts vorne, “ „
4.1.4 Auslaßventil rechts vorne, “ „
4.2.1 Einlaßventil links hinten, “ „
4.2.2 Auslaßventil links hinten, “ „
4.2.3 TRACS-Ventil 1
4.2.3 TRACS-Ventil 2
4.3.1 Einlaßventil rechts hinten, “ „
4.3.2 Auslaßventil rechts hinten, “ „
4.4.1 Fehler Steuereinheit
4.4.2 Pumpendruck zu gering
4.4.3 Pumpenmotor, elektr. od. mech. Fehler
4.4.4 Keine Zufuhr zum Ventilregelkreis

Sockel 6:

Achtung diese Fehlercodes werden nicht gespeichert, den Motor nach einer Testfahrt nicht ausstellen, Fehlercodes direkt auslesen!

1-1-1 No error code set; speed was higher than 40 km/h
1-1-2 Vehicle Speed Sensor: abnormal signal received
1-2-2 Vehicle speed: 40 km/h not exceeded or no signal
2-1-1 Fault in supply voltage or Control Module
2-1-2 Circuit to vacuum pump or regulator: signal faulty

Sockel 7:

1-1-1 No error code set
1-1-2 Internal fault in the sensor unit
1-2-7 SRS warning lamp: open circuit or short-circuit
2-1-1 Steering wheel module: short-circuit in wiring
2-1-2 Steering wheel module: open circuit in wiring
2-1-3 Steering wheel module: short-circuit to the ground
2-1-4 Steering wheel module: short-circuit to +12V
2-2-1 Passenger module: short-circuit in wiring
2-2-2 Passenger module: open circuit in wiring
2-2-3 Passenger module: short-circuit to the ground
2-2-4 Passenger module: short-circuit to +12V
2-3-1 Left seat belt tensioner: short-circuit in wiring
2-3-2 Left seat belt tensioner: open circuit in wiring
2-3-3 Left seat belt tensioner: short-circuit to the ground
2-3-4 Left seat belt tensioner: short-circuit to +12V
2-4-1 Right seat belt tensioner: short-circuit in wiring
2-4-2 Right seat belt tensioner: open circuit in wiring
2-4-3 Right seat belt tensioner: short-circuit to the ground
2-4-4 Right seat belt tensioner: short-circuit to +12V
(no code) SRS warning lamp in the instrument panel does not light -> Fault in diagnostic output

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blackengineer

blackengineerHier soll ich nun also Halbwahrheiten über mich verkünden: Es gab einmal den schönen Spruch "Wir sind die geworden, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt haben". Das trifft die Sache allerdings nicht unbedingt im Kern. Aber von vorn: Ich bin durch die Hölle gegangen, was in Fachkreisen auch "Studium der Elektrotechnik" heißt, und nun Ingenieur. Entgegen der landläufigen Meinung bin ich auch in der Lage, Dinge nicht ironisch auszudrücken (siehe letzter Satz), was aber für diesen Blog weitestgehend ignoriert werden darf. Das Studium fand in Dresden statt, wo ich auch meine Freundin Sarah fand, ohne die dieses Stück Internet nie entstanden wär. Ich bin ein vielinteressierter Geist und spiele gern mit Gedanken, Worten und... naja, hin und wieder auch gern Computer ;) Die Leidenschaft für alles, was mit Strom funktioniert, habe ich seit Kindesbeinen, was meinen Eltern sicher noch erschreckend bewusst sein dürfte, und da waren dichte beißende Lötdampfschwaden aus dem Keller, explodierende Kondensatoren vorm Frühstück und leidlich mit Tesafilm isolierte 230V-Stromkabelverbindungen (funktioniert bis heute!) noch harmlose Beispiele (man erinnere sich an den oben angebrachten Spruch) . Man ist mittlerweile professioneller geworden, stolzer Besitzer eines immer weiter wachsenden privaten Elektroniklabors und momentan - in Dublin: Der eigentliche Aufhänger für unseren Blog, wobei ich fürchte, dass dieser weiter wuchern wird, wenn wir im Dezember wieder deutschen Boden unter den Füßen haben. Was mache ich hier? Diese Frage wird ausführlich in den Artikeln dieser Site bearbeitet, nur kurz: Ich bin sowas wie die Geheimwaffe des Trinity Colleges für und gegen alle analogtechnischen Probleme und Entwicklungen. Eine letzte Frage sollte ich hier noch klären: WARUM DIESER NICK? ...Es begab sich, dass ich meine Hose wusch, und dieses kurzbeinige Exemplar schwarzer Baumwolle aus einem szeneeinschlägig bekannten Bekleidungsgeschäft trug diesen Namen. Klasse, dacht' ich mir, das passt zu dir – außerdem find' dich über Google keiner – dieser Nickname, das wird meiner.View all posts by blackengineer →

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