Erste Eindrücke von Dublin

Seit drei Tagen sind wir nun in Dublin und machten Bekanntschaft mit kaputten Duschköpfen, brennenden Toastern, wenig benutzerfreundlichen Bushaltestellen und umso sympathischeren Menschen

Erste Eindrücke von Dublin

Anzeige in einem Dubliner Bus

Seit drei Tagen sind wir nun in Dublin und machten Bekanntschaft mit kaputten Duschköpfen, brennenden Toastern, wenig benutzerfreundlichen Bushaltestellen und umso sympathischeren Menschen. Ein paar Eindrücke von den ersten Tagen in unserer neuen Heimat.

Die Unmöglichkeit, die richtige Haltestelle zu erwischen

Wie die meisten Reisenden machten wir bei der Ankunft in Dublin als Erstes Bekanntschaft mit dem öffentlichen Verkehrssystem. Den komfortablen Shuttlebus, den es am Flughafen gab, fanden wir unnötig teuer, und so nahmen wir den normalen Linienbus zum Hostel, in welchem wir die erste Nacht verbrachten. Schnell lernten wir, dass Busfahren in Dublin gar nicht so einfach ist:

  • Man darf nicht davon ausgehen, dass jeder Bus an einer Haltestelle anhält, nur weil dort jemand steht. Üblich ist es, zu winken.
  • Wechselgeld gibt es nicht, also sollte man ausreichend Kleingeld parat haben.
  • Es gibt im Bus keine Durchsagen oder Anzeigen der nächsten Haltestellen und die gelegentlich vorhandenen Schilder an Haltestellen im Vorbeifahren zu erkennen ist fast unmöglich. Dafür teilten die Fahrer uns freundlich mit, wann wir da waren, wenn wir beim Einstegen darum baten.
  • Laut Auskunft unserer Mitbewohner fahren die Busse selten die Strecke, die sie eigentlich fahren sollten. Was gerade umgeleitet wird, steht im Internet – manchmal.

Glücklicherweise schrieb unser Hostelbesitzer: Tell the bus driver where to drop you off!, so dass wir nicht versuchten, selbst herauszufinden, wo wir aussteigen mussten, was anfangs mit Sicherheit zum Scheitern verurteilt gewesen wäre.

 

Iren und andere Menschen

Dublin bei Nacht

Dublin bei Nacht: belebte Straßen, auf denen man von Gälisch bis Bayrisch alle Sprachen zu hören bekommt

Dublin ist als Hauptstadt von Irland nicht nur Heimat oder Wahlheimat vieler Iren, sondern auch Touristenhochburg. Nicht wenige deutsche Touristengruppen liefen uns über den Weg und an jeder Ecke wird vor Taschendieben gewarnt. In den zwei Pubs, die wir bisher besuchten, hatten wir dennoch das Gefühl, fast nur von Stammgästen umgeben zu sein. Stilvolle Holzvertäfelungen, Pferderennen im Fernsehen (kein Pub scheint über weniger als zwei riesige LCD-Fernseher zu verfügen) und viel Guinness (bei einigen auch zur Morgenzeit) ergänzen das Bild. Man fühlt sich eingetaucht in eine sehr sympathische familiäre Atmosphäre, in der jeder jeden zu kennen scheint und man bald den Wunsch verspürt, Teil dieses sozialen Biotops zu sein.

Künstlerische Deckengestaltung in einem Pub in der Innenstadt

Künstlerische Deckengestaltung in einem Pub in der Innenstadt

Dann gibt es noch diese kleinen Begegnungen, die man wohl nur in Irland erlebt und die einem sofort das Gefühl geben, hier richtig zu sein. Wir standen an einem verschlossenen alten Tor zu einem verlassenen Industriegebäude, als uns von hinten ein älterer Herr im Anzug und mit Aktenkoffer amüsiert zurief: „D’you want some dynamite to get in there?“ Er lächelte uns fröhlich zu, bevor er in sein Auto stieg und davonfuhr.

 

 

Dubliner WG-Leben

Blick aus dem Fenster: verlassene Industrieanlagen und in der Ferne die Berge

Blick aus dem Fenster: verlassene Industrieanlagen und in der Ferne die Berge

Wir haben ein schönes, für Dubliner Verhältnisse geräumiges und helles WG-Zimmer, in einer WG, die wir zusammen mit drei Brasilianern und einem Iren bewohnen. Die Mitbewohner sind nur sporadisch zuhause, aber wirkten bisher sehr sympathisch. Die Wohnung ist in Christchurch sehr zentral gelegen und einigermaßen bezahlbar, was im Zentrum sehr selten ist.

Günstiger Wohnraum in eigentlich unbezahlbaren Gegenden hat natürlich auch seine Schattenseiten, Schatten, die im wörtlichen Sinne in Form von Schmutzrändern auf Duschkabinen, Küchengeräten und unzugänglichen Ecken liegen. Im Hostel, das unsere erste Unterkunft war, gab es in der Dusche nur heißes Wasser, da der Zulauf fürs Kaltwasser zu verkalkt war, und man machte es sich bald zur Gewohnheit, den Deckel des Toilettenspülkastens zu öffnen, um den gelegentlich funktionierenden Spülmechanismus zu inspizieren, zu verstehen und mit etwas Glück zu überlisten. In unserer WG sieht es besser aus, auch wenn aus dem Kaltwasserhahn warmes Wasser kommt und umgekehrt und man manche Ecken lieber nicht genauer betrachtet. Es erwarten einen auch positive Überraschungen, beispielsweise wenn sich herausstellt, dass die vermeintlichen Blutflecken auf dem Fußboden doch nur rote Farbe sind oder dass die Matratze auf der Unterseite besser aussieht. Im Bad stehen diverse halbleere Reiniger, welche von Vormietern dagelassen wurden, einer davon mit Namen Domestos Germ Kill Extended, ein Name, den ich nur wenig vertrauenserweckend finde. Wenn ich mein Bad mit biologisch abbaubarer Scheuermilch ohne große Schwierigkeiten sauber kriege, ist alles in Ordnung – wenn ich dazu Germ Kill brauche, dann vielleicht nicht.

Ecken, die man lieber nicht genauer betrachtet

Ecken, die man lieber nicht genauer betrachtet

Vielleicht ist es aber auch einfach typisch für WGs, dass alles, was nicht zwingend geputzt und repariert werden muss, so bleibt, wie es ist. Dazu kommt, dass hier viele Bewohner nur ein paar Wochen oder Monate bleiben und alles, was sie nicht mehr brauchen, dalassen. Das führte auch zu lustigen Erlebnissen: Beim Versuch, einen im Schrank liegenden Toaster zu reparieren, ging dieser in Flammen auf, woraufhin wir einen neuen auf dem Flohmarkt ergatterten. Das Bett, dessen Beine teilweise nicht den Boden berührten und dessen Lattenrost stark klapperte, „reparierten“ wir mithilfe von Brettern, Isolierband und PET-Flaschen. Auf der Suche nach Werkzeug begannen wir mit der spontanen Hilfe eines Mitbewohners, die Abstellkammer auszumisten, was interessante Gegenstände zum Vorschein brachte, so wie Schlafsäcke, Handtücher, zwei Paar Schuhe (deren Besitzer niemandem bekannt war), kaputte Wäscheständer und Regenschirme, Vorhänge, Kabel, Dutzende Spraydosen und eine Unmenge leerer Plastiktüten. Nach einem Gang zum Müllcontainer war das Chaos etwas besänftigt.

About the Author

Sarah Ziegler

Sarah Zieglerstudiert Anglistik und französische Romanistik in Dresden, begeistert sich neben dem Lehramtsstudium fürs Übersetzen und Schreiben, lebte letztes Jahr einige Zeit für ein Übersetzungspraktikum in Dublin und ist momentan in Frankreich WWOOFen. Fasziniert von Katzen, schönen Wörtern, verlassenen Gebäuden, nachhaltigen Lebensweisen, alten Filmen, Photographie, schwarzem Humor und nächtlichen Sommergewittern.View all posts by Sarah Ziegler →

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