Erste Eindrücke? Kann ich auch!

Die etwas wirre Beschreibung einiger interessanter (oder auch nicht) Erlebnisse in meiner neuen Heimat Dresden.

Erste Eindrücke? Kann ich auch!

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Die etwas wirre Beschreibung einiger interessanter (oder auch nicht) Erlebnisse in meiner neuen Heimat Dresden.

Erste Eindrücke? Kann ich auch!

Zwar fragte mich keiner, wann ich arriven würde in Dresden dirty city, das macht die Stadt aber keineswegs sauberer. Ich meine damit nicht, dass sie schmutzig in irgend einem negativen Sinne ist. Vielmehr gehört sie einfach zu den unspießigsten Städten, die ich kenne, und ist in ihrer, wie soll man sagen, Naturbelassenheit (nicht nur in Bezug auf „Natur“ im herkömmlichen Sinne) einfach alles andere als „herausgeputzt“. Ich denke, ihr versteht, was ich meine, wenn ihr dieses Wort genauer betrachtet; es geht beim Heraus-“putzen“ um die „Säuberung“ zur Erzeugung eines Erscheinungsbildes zu einem bestimmten Zweck. Und danach kann man in Dresden vergeblich suchen – zumindest in den Vierteln, die mir bisher begegnet sind.

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Ein paar Tage später war übrigens auch die herunterhängende Ecke wieder angeklebt; hier scheint jemandem wirklich am Erfolg aufstrebender Diktator_innen gelegen zu sein. Vielleicht sollte sich die gute Angie hier mal umsehen…

Begegnen tun einem übrigens auch hier diverse Seltsamkeiten, wie beispielsweise Anleitungen zum erfolgreichen Aufbau einer Diktatur (siehe Bild) oder Menschen, die einem, während man auf die Straßenbahn wartet, freundlich erzählen, sie hätten ganz schön einen sitzen und ob man ihnen sagen könne, an welcher Haltestelle man sich befinde. Die junge Frau gegenüber und ich mussten breit grinsen, als er, nachdem er mir eine Zigarette angeboten und mich für den Verzicht auf den Tabakkonsum gelobt hatte, anfing, zu rauchen – freundlicherweise in einigen Metern Abstand – und dabei einen ordentlichen Hustenanfall bekam, der das Aufrechtstehen nicht gerade einfacher zu machen schien. Er verabschiedete sich mit überschwenglichem Dank und antwortete auf mein „mach’s gut“ mit „ich versuch’s“… Ich hoffe, es ist ihm geglückt. Man freut sich doch immer über friedliche und freundliche Betrunkene.

Am schönsten ist es ja dann aber doch, wenn man selbst zu einer dieser Seltsamkeiten wird – und wenn es nur für fünf Minuten ist.

Vergangenen Donnerstag wollte ich erstmals mit dem Fahrrad zur Uni fahren, und habe zu diesem Zweck das alte Fahrrad meiner Schwester aus dem Keller geholt. Ich kann jetzt sehr gut verstehen, weshalb es dort eine lange Zeit ungenutzt zubringen musste. Es scheint zwar noch so zu funktionieren, wie es sollte, und auch, dass meine Knie mir fast bis zum Kinn reichen, wenn ich draufsitze, würde sich durch das höhere Einstellen des Sattels wohl zumindest teilweise beheben lassen. Allerdings besitzt das gute Stück scheinbar keine Gangschaltung.

Das, zusammen mit dem viel zu niedrigen Sattel, führte bei meiner ersten Probefahrt zu zweierlei:

Erstens beschloss ich nach etwa drei Minuten Fahrt, doch lieber die Straßenbahn zu nehmen, obwohl das zu einer Verspätung von etwa zehn Minuten beim Erreichen meiner Uni-Veranstaltung führte.
Zweitens hätte ich mehrmals beinahe lauthals losgelacht, wenn mir Menschen entgegenkamen und ich mir vorstellte, wie ich wohl aussehen musste auf diesem Fahrrad:

  • Springerstiefel, noch dazu offen, mit Camouflagehose, Hosenbeine in den Stiefeln.
  • Meine alte, etwas (aber nur etwas!) zu kurze, dunkelrote Baumwolljacke, die in ihrer Neigung zur Formlosigkeit nicht gerade zu einem seriösen Erscheinungsbild beiträgt.
  • Knie, die sich in einer Höhe zwischen Bauchnabel und kurz unterm Sattel auf- und abbewegten.
  • Leichter Nieselregen – verstärkt den ironisch-tristen Eindruck.
  • Das Fahrrad. Alt, angegraut, mit geschwungenem Lenker, der zudem zu einer sehr aufrechten Sitzposition führt.
  • Eine Fahrgeschwindigkeit, die ich mit einem anständigen Bobbycar problemlos weit überschritten hätte. Aber na gut, war Dreißigzone. Dreißig Meter die Stunde dürfte ich fast geschafft haben.
  • Eine Tretgeschwindigkeit, die Usain Bolt vor Neid hätte erblassen lassen.
  • Ein Fahrradhelm. Ein neuer, weißer Fahrradhelm. Nichts gegen Fahrradhelme (immerhin habe ich ihn getragen), aber mein alter, kaputter, dunkelgrau-schwarzer Helm mit fehlender Plastikabdeckung hätte definitiv besser gepasst. Es muss gewirkt haben wie: „Nein, es sieht nur so aus, als wäre ich vollkommen bescheuert und diese Fortbewegungsmethode so sinnvoll wie… Nicht sehr sinnvoll. Schaut euch meinen Helm an. Ich bin ein seriöser Fahrradfahrer. Und noch dazu verantwortungsbewusst!“

Eine junge Frau, die gerade mit ihrem Freund in ihren neuen BMW einstieg, schaute mich sehr mitleidig an. Ihr Freund machte dann die Bemerkung, ich käme ja immerhin voran. Außerdem war ich dann doch schneller als die Oma, die mit dem Fahrrad auf dem Bürgersteig neben mir fuhr. Ich erinnere an die Tretgeschwindigkeit.

Nun ja, jetzt stellt sich mir die anspruchsvolle Aufgabe, ein kostenloses, aber (halbwegs) fahrtaugliches Fahrrad aufzutreiben, wenn möglich innerhalb der nächsten Woche. Mal sehn, was draus wird. Bis dahin freue ich mich auf interessante Begegnungen in der Straßenbahn.

Abgesehen von den hiesigen Fortbewegungsmethoden gibt es auch übers Einkaufen noch das eine oder andere Interessante zu berichten.

Als ich das erste Mal in meinem neuen Lebensraum einkaufen war, besuchte ich zunächst den Aldi an der Leipziger Straße; immerhin ist mir diese Supermaktkette aus der fernen Heimat bekannt und vertraut. Ausgerüstet mit einem kleinen Wanderrucksack (von Aldi, glaube ich), zwei Stofftaschen und einer riesigen Einkaufsliste machte ich mich auf den Weg.

Nach dieser Enttäuschung zeigte sich auch mein Rucksack als wenig zufriedenstellend. Er ist ganz offensichtlich ungeeignet, große Mengen Lebensmittel in sich aufzunehmen. Nachdem er und eine Stofftasche bereits randvoll waren – in erster Linie mit einigen Konserven, Zwiebeln und Kartoffeln – beschloss ich, nur noch das Nötigste zu kaufen und mich dann auf den Heimweg zu machen. In der ständigen Angst, mein Rucksackboden könne reißen und Tomaten, Bohnen und Olivenöl über den Boden verteilen, ging ich in den Rewe nebenan, um mich mit Aufstrichen und Vollkornbrot zu versorgen. Letzteres fand ich recht zügig, Ersteres – in veganer und herzhafter Form – überhaupt nicht.

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Irgendwie habe ich’s dann doch meistens hinbekommen, ganz gut zu essen.

Der Rückweg war dann auch nicht gerade das Gelbe vom Ei. Die Rucksackträger brachten meine Arme zum Einschlafen und meinen Nacken zum Schreien, eine Jacke mit Nieten auf einer Schulter, die man dann, neben einer Stofftasche mit vier Kilo Kartoffeln und Zwiebeln, in der Hand tragen darf, macht das Ganze auch nicht einfacher. Zumal trotz herrlicher Sonne – meist verborgen hinter weniger herrlichen Gebäuden – der Wind auch nicht gerade warm war.

Nachdem ich mich mittlerweile einigermaßen an die hiesige Einkaufssituation gewöhnt habe (hoffe ich), besteht nach wie vor das Problem des Transports. Fahrradfahren scheidet bekanntlich vorerst aus, also muss mein Rucksack bis auf Weiteres herhalten…

Wo wir schon dabei sind: Was esse ich eigentlich heute?

  1. DavidDavid10-18-2013

    Naja, also falls du mal ein Buch über dich und deine „tollen“ Erlebnisse schreiben solltest, werd ich der erste sein, der es nicht kaufen wird. Anscheinend hast du in deiner „Schule“ nicht gelernt, wie man spannend erzählt oder auch nur ansatzweise interessante Geschichten schreibt. Sonderschule oder was!? Komm mal mit deinem Leben klar ey! Und ess nicht so viel gelbes Gemüse!

    • Sarah ZieglerSarah Ziegler10-19-2013

      Gut, dass wir wissen, dass du zu Sarkasmus neigst^^ Grüße aus Dublin!

      • RostpizzaRostpizza10-19-2013

        David und Sarkasmus?!? Niemals! Das würde ja heißen, dass er mich gar nicht zutiefst verabscheut und so!
        Übrigens hatte ich gerade gestern wieder ne gelbe Paprika. Und eben Curry-Sauce, aber das ist glaub ich kein Gemüse.

        Edit: Mir fällt grad auf, dass Sarkasmus eigentlich auch gar nicht zutrifft, eher Ironie, würd ich sagen :D

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