Der Bürofuchs

Der EastPoint Office Park ist nicht nur von Menschen bewohnt. Bei einem der Lebewesen fürchte ich, dass es unsere Hilfe braucht

Der Bürofuchs

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Der EastPoint Office Park ist nicht nur von Menschen bewohnt. Bei einem der Lebewesen fürchte ich, dass es unsere Hilfe braucht.

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Ich arbeite im EastPoint Office Park, der in den Docklands nahe des Hafens sehr schön gelegen ist und in welchem auch führende Softwareunternehmen wie Google und Oracle ihren Firmensitz haben. Schnell lernte ich nicht nur meine menschlichen Mitarbeiter sehr zu schätzen, sondern auch die nichtmenschlichen Lebewesen, die EastPoint zahlreich bevölkern. Neben den überall anzutreffenden Möwen, einem Rudel Goldfische und einigen sehr sympathischen Katzen entdeckte ich einen Fuchs, der selbst tagsüber völlig unverängstigt über Wege und Parkplätze streift. Ich war sofort fasziniert von dem possierlichen Tierchen, welches sich von Bauarbeitern mit hingeworfenem Brot füttern ließ und sich in bester Katzenmanier auf einem Autodach niederließ, um sich zu putzen. Mir wurde erzählt, dass er hier schon länger wohnte und sich wohl gelegentlich am Katzenfutter bediente, das draußen hingestellt wurde. Als ich den Fuchs nach ein paar Tagen auch aus der Nähe beobachten konnte, musste ich jedoch feststellen, dass das arme Tier sehr krank zu sein scheint: er wirkt abgemagert, hat verklebte Augen und das Fell ist schuppig und spröde.

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Um dieser Befürchtung entgegenzukommen: Irland gilt als tollwutfreies Land. Allerdings können Füchse unter anderem an Fuchsräude leiden, einer durch Milben verursachten Krankheit, deren Symptome auch bei unserem Fuchs zu erkennen sind. Da sich im Park niemand um den Fuchs zu kümmern oder an ihm zu stören scheint, hatte ich die Überlegung, ob man irgendjemanden benachrichtigen müsse, zuerst wieder verworfen, zumal ich die Befürchtung hatte, dass die Behörden einen kranken Fuchs töten lassen würden. Als ich mir jedoch die Photos ansah, die ich von dem Fuchs gemacht hatte, hatte ich zu viel Mitleid mit dem Tierchen, das ohne Hilfe vielleicht nicht mehr lange leben würde. Ich wollte etwas unternehmen, auch wenn ich nicht weiß, ob man dem Fuchs helfen kann. Nach einiger Recherche schrieb ich eine Mail an die Organisation Irish Wildlife Matters, welche sich der Rettung von kranken oder verwundeten Wildtieren verschrieben hat, und schilderte die Situation. Ich bekam sofort eine Antwort, in der man sich für meine Mail bedankte und mir die Telephonnummer eines wildlife rehabilitators nannte, an den die Mail weitergeleitet wurde. Ich werde mit ihm in Kontakt treten und hoffe sehr, dass wir etwas für den Fuchs tun können.

About the Author

Sarah Ziegler

Sarah Zieglerstudiert Anglistik und französische Romanistik in Dresden, begeistert sich neben dem Lehramtsstudium fürs Übersetzen und Schreiben, lebte letztes Jahr einige Zeit für ein Übersetzungspraktikum in Dublin und ist momentan in Frankreich WWOOFen. Fasziniert von Katzen, schönen Wörtern, verlassenen Gebäuden, nachhaltigen Lebensweisen, alten Filmen, Photographie, schwarzem Humor und nächtlichen Sommergewittern.View all posts by Sarah Ziegler →

  1. erlierli09-08-2013

    sehr schöne geschichten immer – wünsche dem fuchs viel glück!

    • Sarah ZieglerSarah Ziegler09-08-2013

      Danke! Ich werde euch auf dem Laufenden halten, ob wir etwas erreichen konnten…

  2. AndreaAndrea09-10-2013

    Liebe Sarah,
    ich wünsche dir und dem kleinen Fuchs von Herzen, dass dein Einsatz die Situation zum Guten wendet!
    Sicher erscheint mir: Es ist eine Chance, denn es kann nur besser werden – nach den Fotos zu urteilen, braucht er dringend Hilfe. Wie es auch ausgeht, du tust, was in deiner Kraft steht – das finde ich großartig!

    Herzliche Grüße

    Andrea

    • Sarah ZieglerSarah Ziegler09-14-2013

      Danke für die lieben Wünsche! Ich habe Dan Donoher von Wildlife Rehabilitation Ireland kontaktiert und es hieß, dass schon diese Woche der Fuchs mit einer Falle gefangen und zum Tierarzt gebracht werden soll. Ich habe bisher noch keine Antwort bekommen, ob sie ihn gefunden haben, aber ich hoffe auf gute Nachrichten.

  3. Sarah ZieglerSarah Ziegler03-16-2014

    Im Nachhinein für alle, die um den Fuchs mitgebangt haben: ich kann leider weder gute noch schlechte Nachrichten überbringen, denn verrückterweise war der Fuchs ab dem Tag, an dem man ihm helfen wollte, völlig unauffindbar. Die Tierhelfer haben das Gelände mehrmals abgesucht, doch er tauchte nicht wieder auf und war auch in den Wochen danach nicht mehr zu sehen. Man kann nur hoffen, dass er vielleicht einen besseren Lebensraum gefunden hat… oder, schlimmstenfalls, dass er einen ruhigen und schmerzlosen Tod gestorben ist.

    Als ich diesen Fuchs das erste Mal gesehen habe, habe ich versucht, mich damit zu beruhigen, dass hunderte Menschen am Tag diesen Fuchs sehen und niemand die Notwendigkeit zu sehen scheint, etwas zu tun. Doch dass Menschen an etwas vorbeigehen, ohne etwas zu unternehmen, heißt leider nicht, dass es nicht nötig wäre, und jetzt bin ich sehr froh darüber, dass ich versucht habe, etwas zu tun. Es ist ein sehr viel angenehmeres Gefühl, wenigstens nicht völlig tatenlos geblieben zu sein. Ich freute mich sehr darüber, dass es Menschen gibt, die Himmel und Hölle in Bewegung setzen, nur um diesem einen Tier zu helfen; dass da Menschen extra nach Dublin fahren, um einen Fuchs, von dessen Existenz sie nur durch meine Erzählungen wissen, zu einem Tierarzt zu bringen. Die Selbstverständlichkeit, mit der dies geschah, machte mich sehr dankbar und ließ mich der traurigen Geschichte etwas Schönes abgewinnen.

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