Das völlig bescheuerte Bordcomputer-Projekt-Teil 2: Los geht`s mit dem 480ger Bordcomputer-Tacho

Das Päckchen ist da, der Tacho hat  einen ganz schöner Kratzer auf der Scheibe aber dafür ist der Schalter für die BC-Auswahl dabei, juhu das stand gar nicht da, somit spare ich mir mindestens 20€ um noch so ein Teil zu ergattern, toll.

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Ja, ich hatte mal einen Fahrersitz über…

IMG_20151204_142928Aus der Volvo- Doku geht hervor, man baue den am Kombiinstrument (KI) hinten aufgesteckten BC ab und untersuche die Aufschrift des größten Chip: 48l-Tank vorprogrammiert bei VDO 712 und kleineren Nummern, 60l-Tank bei VDO734. Na, ratet mal was?!

Möööp! Ein 48l-Modell, dafür habe ich aber eine gewisse Verbundenheit gespürt, auf einem Prüfstempel steht, das Ding ist so alt wie ich.

Also müssen wir jetzt ein 20 Jahre altes Auto mittels eines 26 Jahre alten Steinzeitelektronikartikels aufrüsten bei dem rein garnichts passt! Oh Gott, aber nun habe ich es angefangen.

Erste Tests

Drehe den Schalter ganz nach links: Momentanverbrauch, eins weiter oben: Durchschnittsverbrauch, auf 11 Uhr Durchschnittsgeschwindigkeit, 12 Uhr Reichweite, 1 Uhr Öltemperatur, dann Kühlwasser und ganz rechts Außentemperatur, etwas frostig heute. Die Strichanzeige in der Mitte kündet einen vollen Tank an.

 

Erste Tests (nach der langwierigen Erkundung welcher Steckerkontakt für was zuständig ist) zeigen: Alles geht, die Temperatur- und Tanksensoren simuliert mit ein paar Potentiometern zeigen sinnvolle Sachen an, ich habe allerdings keinen Öltemperaturgeber (und wahrscheinlich nicht einmal eine Art Option im Motorblock so etwas einzuschrauben, dafür stimmt die angezeigte Kühlwassertemperatur mit meinem Sensor exakt überein (ich hatte den mal über den Daumen gepeilt im Wasserkocher getestet und dabei die Temperatur gemessen, nun besteht also die Möglichkeit aufs Grad geeicht herumzufahren).

Die Außentemperatur wird bei meinem Auto schon serienmäßig in der Mittelkonsole angezeigt, also habe ich theoretisch 2 „Freie“ Plätze. Mal sehen was man da machen kann. Die Tankanzeige funktioniert, aber auch bei maximalem Anschlag geht sie nur von 50l aus…

Tankschwimmer-Diagramm

Man hat zwar die Tankmenge seinerzeit um 12l gesteigert, der Sensor (ein veränderlicher Widerstand/Poti) ist aber der selbe geblieben, somit wird in meinem Volvo fröhlich von knapp 50l ausgegangen und entsprechend „gedacht“, dass wir gut und gerne 150km weniger Reichweite haben. Eine Annäherung an den realen Füllstand erreicht man dann ab unter 9l im Tank, ab da wären sich 48l und 60l Version nämlich vom Widerstandswert des Potis einig.

Was ist das wichtigste am Tacho? Die Geschwindigkeit angezeigt zu bekommen oder? Ich bemühe als Geschwindigkeitssignal einen Frequenzgenerator, der ein 50:50- Rechtecksignal zwischen 0 und 10V ausgibt, der Spannungshub stand in irgendeiner Servicemitteilung von Volvo.

speed_mechDas Geschwindigkeitssignal welches der BC-Tacho erwartet ist dagegen eine „geschaltete“ Masse, also schalten wir noch einen Mosfet dazwischen, der vom Generator angesteuert (am Gate) immer wieder die Verbindung zwischen Speed-Signal am Tacho (Drain-Anschluss) gegen Masse (Source) öffnet und schließt.

Der Tacho macht was, und es konnten wahnsinnige Zeiten für die Beschleunigung von Null auf 100km/h am Schreibtisch ermittelt werden (durch flottes Drehen am Generatorsignal quasi verzögerungsfrei).

Gibt Gummi, Frequenzgenerator!

Gibt Gummi, Frequenzgenerator!

Zeit, der Einspritzerei auf den Grund zu gehen. Dem Bordcomputer wird „Hartcodiert“ mitgeteilt welchen Wert er als Durchflussmenge nehmen soll. Dazu sollen an einem Rand der Platine drei Abbrechnasen entsprechend – tja- abgebrochen werden:

abbrechnasen

Ich habe VDO712, also probieren wir doch einmal aus was er sich so denkt. (Codiert wurde mein BC als B18FT- der Turboversion. Das Abbrechen der Nasen bewirkt aber nur eine Trennung von zwei Kontakten, die man problemlos wieder zusammenlöten kann.

Der Tacho zeigt 200km/h bei 348Hz, bei 100km/h sind es 175Hz- mit 100km/h lässt sich gut rechnen.

Rechnen? OK, wir fahren 100 km/h und die Einspritzventile öffnen und schließen sich im 175Hz- Takt, sind aber sicher die halbe Zeit auf und die halbe Zeit zu. Wenn wir eine Stunde mit 100km/h fahrend eine Strecke von 100km zurücklegen, würden die Ventile die halbe Zeit- eine halbe Stunde eingespritzt haben.

Der Durchfluss der Ventile (mein Motor hat genau eins, die anderen Modelle sind mit vieren bestückt)  ist 2x der Wert den der Bordcomputer für den Momentanverbrauch (in Liter pro 100km- was bei 100km/h eine Stunde ist) ausgibt, denn die Ventile sind ja eine halbe Stunde zu. Taschenrechner raus!

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blackengineer

blackengineerHier soll ich nun also Halbwahrheiten über mich verkünden: Es gab einmal den schönen Spruch "Wir sind die geworden, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt haben". Das trifft die Sache allerdings nicht unbedingt im Kern. Aber von vorn: Ich bin durch die Hölle gegangen, was in Fachkreisen auch "Studium der Elektrotechnik" heißt, und nun Ingenieur. Entgegen der landläufigen Meinung bin ich auch in der Lage, Dinge nicht ironisch auszudrücken (siehe letzter Satz), was aber für diesen Blog weitestgehend ignoriert werden darf. Das Studium fand in Dresden statt, wo ich auch meine Freundin Sarah fand, ohne die dieses Stück Internet nie entstanden wär. Ich bin ein vielinteressierter Geist und spiele gern mit Gedanken, Worten und... naja, hin und wieder auch gern Computer ;) Die Leidenschaft für alles, was mit Strom funktioniert, habe ich seit Kindesbeinen, was meinen Eltern sicher noch erschreckend bewusst sein dürfte, und da waren dichte beißende Lötdampfschwaden aus dem Keller, explodierende Kondensatoren vorm Frühstück und leidlich mit Tesafilm isolierte 230V-Stromkabelverbindungen (funktioniert bis heute!) noch harmlose Beispiele (man erinnere sich an den oben angebrachten Spruch) . Man ist mittlerweile professioneller geworden, stolzer Besitzer eines immer weiter wachsenden privaten Elektroniklabors und momentan - in Dublin: Der eigentliche Aufhänger für unseren Blog, wobei ich fürchte, dass dieser weiter wuchern wird, wenn wir im Dezember wieder deutschen Boden unter den Füßen haben. Was mache ich hier? Diese Frage wird ausführlich in den Artikeln dieser Site bearbeitet, nur kurz: Ich bin sowas wie die Geheimwaffe des Trinity Colleges für und gegen alle analogtechnischen Probleme und Entwicklungen. Eine letzte Frage sollte ich hier noch klären: WARUM DIESER NICK? ...Es begab sich, dass ich meine Hose wusch, und dieses kurzbeinige Exemplar schwarzer Baumwolle aus einem szeneeinschlägig bekannten Bekleidungsgeschäft trug diesen Namen. Klasse, dacht' ich mir, das passt zu dir – außerdem find' dich über Google keiner – dieser Nickname, das wird meiner.View all posts by blackengineer →

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