Das völlig bescheuerte Bordcomputer-Projekt-Teil 1: Was ist es und was kann es?

Der Volvo hat einen „kleinen“ Bruder, den 480. Dieser wurde technologisch gar fürchterlich aufgerüstet entwickelt- für die Verhältnisse von 1987…
Unter anderem mit an Bord: Das Infocenter, ein im Tacho befindlicher Bordcomputer (BC). Über einen Drehschalter in der Mittelkonsole – dem Ding mit dem man seinen Elektroherd bedient nicht unähnlich- kann man sich Informationen zum Spritverbrauch, Reichweite, mittlerer Geschwindigkeit sowie die Öl-, Kühlwasser und Außenlufttemperatur digital anzeigen lassen. Zudem wird anstelle einer Tankuhr eine enterpriseverdächtige Balkenanzeige verwendet. Saucool.
Das Infocenter wird in den Volvokatalogen auch für die V460/440er bis einschließlich 96 als Zubehör/ Wunschausstattung gelistet. Allerdings: nicht für alle Motoren. Es ist trotz meiner nahezu kompletten Sammlung an Werkstatthandbüchern der Volvo 400er –Reihe nicht 100% klar wo und wie lange der Bordcomputer in die Fahrzeuge eingebaut wurde, sicher ist nur, dass auch die jüngsten 480er großteils damit ausgestattet sind und MEIN Motor, der B18U niemals damit ausgeliefert wurde. Na toll. Sicher ist weiterhin, dass der 1.7l Turbo und der B18FP/E in allen Modelljahren damit lieferfähig waren. Letztens fand sich auch ein 460er 2.0L mit einem wackelkontaktierten BC bei mobile.de, den hätte ich vor 9 Jahren auch gekauft (aber sagt es dem Volvo nicht psst…) Den standard- 1.8er Fahrern blieb nur die langweilige Analoganzeige für Tank und Motortemperatur…
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Na, was sieht wohl cooler aus?

Aber Moment mal, es müsste doch mit dem Teufel zugehen, wenn das einzeln in die Tachoeinheit eingesetzte BC-Rundinstrument nicht irgendwie gegen meine Analoganzeige auszutauschen wäre, welcher Ingenieur hätte es denn verbockt in der Volvo 400-Modellreihe verschiedene Maße für identisch aussehende Kombiinstrumente zu verwenden.

Es stellen sich folgende schon bekannte Probleme zu denen sich sicher noch 100 unbekannte gesellen werden:
1. Die Mechanik: Passt das Ding in mein Kombiinstrument oder kann man die ganze Tachoeinheit verpflanzen? Ich weiß schon, dass die Stecker völlig anders sind.
2. Die Berechnung des Momentanverbrauchs erfolgt über die Messung der Einspritzzeit – also bei bekannter Spritmenge –meinetwegen pro Minute, gegeben durch die Durchflussmenge der Einspritzventile kann die Anzahl Sekunden bestimmt werden, die die Ventile offen sind. Und somit hätten wir bei 1l/min Durchflussmenge und 30sec offenem sowie 30sec geschlossenem Ventil in der Minute 0,5L verballert. Natürlich agiert das Einspritzventil in Intervallen von Millisekunden- und die werden ausgewertet und zusammengezählt. Aber: Der Bordcomputer „weiß“ die Durchflussmenge für die Ventile der verschiedenen Motoren, das B18U-Ventil hat aber eine andere Durchflussmenge als die der „unterstützten“ Motoren und somit wird der Momentanverbrauch falsch berechnet.
3. Das Geschwindigkeitssignal, der Bordcomputer erwartet ein elektrisches Signal, welches mit der Fahrzeuggeschwindigkeit korrespondiert und vom elektrischen Geschwindigkeitsgeber im Getriebe erzeugt wird. Tataa: Der B18 U hat eine Tachowelle- also ein mechanisches Geschwindigkeitssignal, welches erst im Tacho selber elektrisch umgesetzt wird. Aber: Die Signale meines Volvo und das, was der BC braucht sind komplett verschieden.
4. Das Tankvolumen: Es gibt 48l und 60l –Tanks in den Volvos, der BC geht von einem dieser Werte aus- 50:50 Chance, dass ich einen erwische der passt.

Nach langer Recherche aller relevanten Volvo- Dokumente und der Aussage des gesamten Internets („Das geht nicht!“) ist mein Erfindergeist ist geweckt, es muss wohl so ein Tacho in der Bucht geschossen werden.
Es lohnt sich direkt nach dem V480 Tacho zu suchen, von den 440/460 Tachos sind 90% analog. Zudem findet man sich wieder in einer Welt der Mondpreise von 30€ bis 300€ ist alles dabei. Ich finde einen für 50€, damit wollen wir‘s wagen.

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blackengineer

blackengineerHier soll ich nun also Halbwahrheiten über mich verkünden: Es gab einmal den schönen Spruch "Wir sind die geworden, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt haben". Das trifft die Sache allerdings nicht unbedingt im Kern. Aber von vorn: Ich bin durch die Hölle gegangen, was in Fachkreisen auch "Studium der Elektrotechnik" heißt, und nun Ingenieur. Entgegen der landläufigen Meinung bin ich auch in der Lage, Dinge nicht ironisch auszudrücken (siehe letzter Satz), was aber für diesen Blog weitestgehend ignoriert werden darf. Das Studium fand in Dresden statt, wo ich auch meine Freundin Sarah fand, ohne die dieses Stück Internet nie entstanden wär. Ich bin ein vielinteressierter Geist und spiele gern mit Gedanken, Worten und... naja, hin und wieder auch gern Computer ;) Die Leidenschaft für alles, was mit Strom funktioniert, habe ich seit Kindesbeinen, was meinen Eltern sicher noch erschreckend bewusst sein dürfte, und da waren dichte beißende Lötdampfschwaden aus dem Keller, explodierende Kondensatoren vorm Frühstück und leidlich mit Tesafilm isolierte 230V-Stromkabelverbindungen (funktioniert bis heute!) noch harmlose Beispiele (man erinnere sich an den oben angebrachten Spruch) . Man ist mittlerweile professioneller geworden, stolzer Besitzer eines immer weiter wachsenden privaten Elektroniklabors und momentan - in Dublin: Der eigentliche Aufhänger für unseren Blog, wobei ich fürchte, dass dieser weiter wuchern wird, wenn wir im Dezember wieder deutschen Boden unter den Füßen haben. Was mache ich hier? Diese Frage wird ausführlich in den Artikeln dieser Site bearbeitet, nur kurz: Ich bin sowas wie die Geheimwaffe des Trinity Colleges für und gegen alle analogtechnischen Probleme und Entwicklungen. Eine letzte Frage sollte ich hier noch klären: WARUM DIESER NICK? ...Es begab sich, dass ich meine Hose wusch, und dieses kurzbeinige Exemplar schwarzer Baumwolle aus einem szeneeinschlägig bekannten Bekleidungsgeschäft trug diesen Namen. Klasse, dacht' ich mir, das passt zu dir – außerdem find' dich über Google keiner – dieser Nickname, das wird meiner.View all posts by blackengineer →

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