Das Leben und Leiden des jungen Dipl.-Ing

Eine Mail an die falsche Adresse und schon muss man am Trinity College, einer unbekannten und kleinen Grundschule in den Outskirts of Dublin, für 3 Monate schuften.

Das Leben und Leiden des jungen Dipl.-Ing

Rohre und Kabel

Erlebnisse, wissenschaftliche Meisterleistungen und Fehlschläge sowie mein Ranking der besten Dönerläden und vieles mehr tröpfeln langsam in diesen Artikel.

Was macht der Mensch…

nach erfolgreichem Beenden seines Studiums?
Klar: Pause, nun ja, es soll Leute geben, die sich nun direkt ins Arbeitsleben stürzen würden, mit all den Vorzügen, die dieses mit sich bringt. Neben Bürohengstschaukämpfen, unnötigen Investitionen des ersten Gehalts in den Tablet-Pc-Sektor und der Aufnahme eines Kredits für einen statussymbolischen Klumpen aus Metall und Plastik werden auch schon einmal 3 Häuser und das Kind geplant, oder 3 Kind und das Häus, wie es eben beliebt.

Aufgrund der guten Versorgungslange mit einem gewissen schwarzen Bier zog man aber lieber aus, um die Iren kennezulernen. Diese Gattung Mensch ist auf einem kleinen europäischen Eiland anzutreffen, welches man erreicht, wenn man von Wladiwostok nach Guantanamo reist und sich dabei gründlich verfranzt. Freundlich und offen, wie der Ire sich seit unserer Ankunft zeigte, war es ein Leichtes, sich heimisch zu fühlen. Allerdings waren auch einige Seltsamkeiten zu registrieren, welche für den geneigten Leser hier humoristisch zusammengestellt werden sollen.

Es ist hier durchaus möglich, Strom anzutreffen,

allein die beschwerlichen Wege, die dieser auf sich nimmt, um an den Bestimmungsort zu gelangen, entbehren jedweder elektropysikalischen Grundlage. Üblicherweise nutzt man die Simse zwischen Parterre und 1. Stock, um in einem wüsten Knäul allerlei Kabelage unterzubringen, nebenher schlängelt sich eine Unmenge Geröhr für Dachrinnen und Abwasser, welches sich offensichtlich sehr gut als Befestigung für Telephonleitungen und Strom eignet. Verteilerdosen im Freien sind grundsätzlich offen zu betreiben, was gerade bei Regen den enormen Vorteil der Mehrbelastbarkeit mit sich bringt, durch starken Stromfluss kochende Kabel werden effizient gekühlt.

Tatsächlich bestätigt sich der Verdacht, dass der gemeine Ire den Strom lieber Strom sein lässt, beim Meeting im College:
Die Aufgabe dort besteht im Ausmessen eines piezoelektrischen Sensors, welcher detektieren kann, ob ein Krankenhauspatient sich wund liegt. Alles schön und gut, nur dass in diesem College jährlich etwa 10 Studenten E-Technik machen und dieses Jahr (wie mir soeben vom Head of Department wenig stolz berichtet wurde) alle durchgefallen sind.

Somit sind fachkundige Entwickler spärlich gesät. Man vergab den Auftrag an einen Deutschen (nein nicht ich)… and he fully messed up this shit. Der Autor bemüht sich, die Erscheinung des Endproduktes nicht allzu vulgär zu beschreiben, aber es soll Menschen geben, welche in der 7. Klasse qualitativ hochwertigere Elektronik bastelten.

Die Firma hielt es ebenso nicht für nötig, eine technische Dokumentation oder dergleichen beizufügen, so dass es nun an mir ist, die Sache in Ordnung zu bringen. Nebenbei bemerkt, wurden diese inkompetenten krauts für ihren Elektroschrott auch nicht bezahlt, ein Glück.

Everydays Problems, oder die Verbindung von Recycling, Low-Budget-Repair und ultramoderner Beleuchtungstechnik

Es begab sich eines Morgens, dass ich auszog, meine Umwelt kennenzulernen. Genauer: der Grand Canal im Süden der Stadt. Da das Badezimmer mit einer praktischen Beleuchtungseinrichtung über dem Spiegel ausgestattet ist, welche nicht in Betrieb zu setzen war (wie sich herausstellte, war die Lampe innen weg…), konnte dies mit der Suche nach Ersatz verbunden werden.
Es stellte sich heraus, dass das gesuchte Leuchtmittel entgegen der Erwartung anstelle einer Leuchtstoffröhre eine für Germanen absolut unübliche Form der 60 W-Birne als langgezogene dicke Glasröhre war, welche nach Art von AA-Batterien in eine Federhalterung einzuklipsen ist. Mit schlafwandlerischer Präzision wurde sich für das richtige Modell entschieden, nun ging es an den denkbar einfachen Einbau.

Einfach… die Röhre einsetzen und es werde Licht. So einfach war es nicht.
Nein, von den beidseitigen Kontaktierungslippen fehlte eine, nun hatte die Lampe 3,50€ gekostet und man hat ja auch seinen Stolz, also musste ein Ersatz geschaffen werden.

Um dieses Snüffelstück handelt es sich

Um dieses Snüffelstück handelt es sich

Entgegen der landläufigen Meinung sind leere Getränkedosen durchaus zu etwas zu gebrauchen, da Aluminium netterweise Stromfluss ermöglicht. Sollte der geenigte Leser nun andeuten wollen, ich hätte einen Vorwand für mein nächstes Guinness gefunden, irrt er sich allerdings.

Kein Guinness für mich

Kein Guinness für mich

Der Dosenverschluss war das Mittel der Wahl und nach ein wenig Biegen war das Problem gelöst, Sicherheit wird hierbei wie immer (in Irland) groß geschrieben und der Widerstand der Kontaktierung hat sich um 300 Milliohm reduziert.

Problem Solved

Problem Solved

Hoffentlich nimmt die nächste Zeit keiner die Lampe auseinander. Da dies aber seit ca. 60 Jahren keiner hier tat, stehen die Chancen gut, dass der Dosenkontakt keinem auf die Nase fällt.

Der Ausflug zum Kanal war auch sightseeingtechnisch (im Übrigen eine wundervoll bilinguale Wortkonstruktion, findet ihr nicht?) ein voller Erfolg und sei jedem zu empfehlen, da man sich hier bei gutem Wetter wie in Venedig fühlt.

Canale Grande du Dublin

Canale Grande di Dublin

About the Author

blackengineer

blackengineerHier soll ich nun also Halbwahrheiten über mich verkünden: Es gab einmal den schönen Spruch "Wir sind die geworden, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt haben". Das trifft die Sache allerdings nicht unbedingt im Kern. Aber von vorn: Ich bin durch die Hölle gegangen, was in Fachkreisen auch "Studium der Elektrotechnik" heißt, und nun Ingenieur. Entgegen der landläufigen Meinung bin ich auch in der Lage, Dinge nicht ironisch auszudrücken (siehe letzter Satz), was aber für diesen Blog weitestgehend ignoriert werden darf. Das Studium fand in Dresden statt, wo ich auch meine Freundin Sarah fand, ohne die dieses Stück Internet nie entstanden wär. Ich bin ein vielinteressierter Geist und spiele gern mit Gedanken, Worten und... naja, hin und wieder auch gern Computer ;) Die Leidenschaft für alles, was mit Strom funktioniert, habe ich seit Kindesbeinen, was meinen Eltern sicher noch erschreckend bewusst sein dürfte, und da waren dichte beißende Lötdampfschwaden aus dem Keller, explodierende Kondensatoren vorm Frühstück und leidlich mit Tesafilm isolierte 230V-Stromkabelverbindungen (funktioniert bis heute!) noch harmlose Beispiele (man erinnere sich an den oben angebrachten Spruch) . Man ist mittlerweile professioneller geworden, stolzer Besitzer eines immer weiter wachsenden privaten Elektroniklabors und momentan - in Dublin: Der eigentliche Aufhänger für unseren Blog, wobei ich fürchte, dass dieser weiter wuchern wird, wenn wir im Dezember wieder deutschen Boden unter den Füßen haben. Was mache ich hier? Diese Frage wird ausführlich in den Artikeln dieser Site bearbeitet, nur kurz: Ich bin sowas wie die Geheimwaffe des Trinity Colleges für und gegen alle analogtechnischen Probleme und Entwicklungen. Eine letzte Frage sollte ich hier noch klären: WARUM DIESER NICK? ...Es begab sich, dass ich meine Hose wusch, und dieses kurzbeinige Exemplar schwarzer Baumwolle aus einem szeneeinschlägig bekannten Bekleidungsgeschäft trug diesen Namen. Klasse, dacht' ich mir, das passt zu dir – außerdem find' dich über Google keiner – dieser Nickname, das wird meiner.View all posts by blackengineer →

  1. RostpizzaRostpizza08-28-2013

    Schön, ein neuer Artikel – und ein schöner noch dazu :-)
    Der Kugelschreiber muss aber teuer sein, wenn man dafür gleich einen Kredit aufnehmen muss… Ich glaube, ich nehme dann statt Statusklumpen und Kind lieber fünf Häus (oder eins mit Partykeller, Musikzimmer, Trainingsraum, Sauna, Schwimmbad, Dachterrasse, Riesengarten, Großküche, Werkstatt, Solarpanels und Bibliothek)!

  2. und wenigstens mal ne miniramp, bowl oder ne london gap für schlechtes wetter ;)

    • RostpizzaRostpizza08-29-2013

      Du auch hier ^^
      Ja, lässt sich sicher einrichten. Zur Not verwerfen wir dafür dann noch den Tablet-PC…

      • ja ich auch hier, entgegen weitverbreiteter befürchtungen bin ich weder ersoffen noch cthulhus seelenhunger zum opfer gefallen.
        im gegenteil, ich kann den aufenthalt in energie jedem nur wärmstens empfehlen ;)

  3. AndreaAndrea09-10-2013

    Lieber Patrick,

    willst du nicht einen Workshop in Richtung „Kreative Elektrotechnik und Improvistion“ anbieten?
    Das gibt es sicher noch nicht – und du könntest den Ausgleich zum theorielastigen Studium herstellen!

    Ich habe mir dich in den betreffenden Situationen live vorgestellt und herzhaft gelacht (nicht aus- sondern anerkennend gelacht!!!)

    Weiterhin viel Kreativität wünsche ich dir!

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