Aus Fehlercodes wird man schlau- der Volvo macht an der Ampel auf Macho

Eines schönen Tages fing es an: Im Leerlauf lief der Motor immer mindestens bei 2000 Touren. Man konnte dieses Phänomen sogar als billig-Tempomat nutzen, eigekuppelt zockelt der Wagen auf einmal stoisch vor sich hin ohne, dass man Gas geben musste. Blöd.
Noch blöder allerdings als kurz darauf ein ständiges Auf und Ab der Drehzahl im Stand anfing. Ich stand auf einmal mit einem rythmischen WRRRRM-WRRRRM an Ampeln. Manch ein GTI-Fahrer daneben fühlte sich schon zum Viertelmeilenrennen angestiftet bei solch einem Gebaren meinerseits. Kurz, hier stimmte irgendetwas überhaupt nicht.
Aber wir haben ja die Diagnose-LED.
Sockel 2 spuckte auch gleich aus was Sache war: 2-2-3 Der Leerlaufregler.
Dieses längliche Kästchen, beifahrerseitig am Ansaugtrakt des Motors unter der Ansaugbrücke (man folge einfach dem Gasbbowdenzug) war wohl der Übeltäter. Ein neues wurde beschafft und eingebaut, jedoch der erhoffte effekt blieb aus. Auch das neue Modul vertellte fleißig und ohne unterlass die Leerlaufdrehzahl. Und was für ein Fehlercode? Naja genau 2-2-3.
Da konnte ja an und für sich nur die Kabelage zwischen Steuergerät und Leerlaufsteller beschädigt sein. Das Steuergerät haben die Jungens von Volvo sinnigerweise weit weg vom heißen Motor montiert- an der beifahrerseitigen A-Säule unten im Fußraum unter der Plastikverkleidung. Das hat zwar längere Kabel zur Folge aber die Elektronik fühlt sich hier wesentlich wohler.
Aus meinen Werkstatthandbücher waren dann auch schnell die richtigen „Pins“ des Steuergerätesteckers gefunden und so konnte ich die 4 Kabel vom Leerelaufregler zum Steuergerät (Plus, Minus, sowie die Signale für MEHR und WENIGER) mit dem Durchgangsprüfer testen.
Und tatsächlich das Signal für „Mehr“ kam nicht durch. Offenbar ein Kabelbruch irgendwo auf dem langen und verworrrenen Weg in den Innenraum, durch Motorvibrationen im Betrieb kam dann mal ein Signal durch und mal nicht und die Elektronik wusste nicht mehr was sie machen soll. Hier ließ sich nichts machen, ich beschoss ein neues Kabel zu verbauen welches ich dann an die Stecker von Steuergerät und Regler anlötete. Das einzige schwierige dabei war, das neue Kabel zusätzlich durch die Gummidurchführung der anderen Kabel Richtung Innenraum zu quetschen. Diese befindet sich hinter der Spundwand beim Ansaugkasten für dei Innenraumbelüftung. Hier steht bei Regen immer Wasser, also musste man gaaanz vorsichtig den porösen Dichtgummi aus dem Loch popeln, das neue Käbelchen dazustecken und dann wieder rein…

Ich behalf mir mit dem Stiel eines Hammers, da es mit den Händen in der Enge zwischen Scheibe und Ansaugkasten nicht möglich war, die Nut des Gummis wieder vernünftig über und unter das Blech zu drücken.

Einige Tage Rückenschmerzen dank ungünstiger Haltung haben sich aber am Ende ausgezahlt:

Nie wieder Fehler 2-2-3, juhu!

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blackengineer

blackengineerHier soll ich nun also Halbwahrheiten über mich verkünden: Es gab einmal den schönen Spruch "Wir sind die geworden, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt haben". Das trifft die Sache allerdings nicht unbedingt im Kern. Aber von vorn: Ich bin durch die Hölle gegangen, was in Fachkreisen auch "Studium der Elektrotechnik" heißt, und nun Ingenieur. Entgegen der landläufigen Meinung bin ich auch in der Lage, Dinge nicht ironisch auszudrücken (siehe letzter Satz), was aber für diesen Blog weitestgehend ignoriert werden darf. Das Studium fand in Dresden statt, wo ich auch meine Freundin Sarah fand, ohne die dieses Stück Internet nie entstanden wär. Ich bin ein vielinteressierter Geist und spiele gern mit Gedanken, Worten und... naja, hin und wieder auch gern Computer ;) Die Leidenschaft für alles, was mit Strom funktioniert, habe ich seit Kindesbeinen, was meinen Eltern sicher noch erschreckend bewusst sein dürfte, und da waren dichte beißende Lötdampfschwaden aus dem Keller, explodierende Kondensatoren vorm Frühstück und leidlich mit Tesafilm isolierte 230V-Stromkabelverbindungen (funktioniert bis heute!) noch harmlose Beispiele (man erinnere sich an den oben angebrachten Spruch) . Man ist mittlerweile professioneller geworden, stolzer Besitzer eines immer weiter wachsenden privaten Elektroniklabors und momentan - in Dublin: Der eigentliche Aufhänger für unseren Blog, wobei ich fürchte, dass dieser weiter wuchern wird, wenn wir im Dezember wieder deutschen Boden unter den Füßen haben. Was mache ich hier? Diese Frage wird ausführlich in den Artikeln dieser Site bearbeitet, nur kurz: Ich bin sowas wie die Geheimwaffe des Trinity Colleges für und gegen alle analogtechnischen Probleme und Entwicklungen. Eine letzte Frage sollte ich hier noch klären: WARUM DIESER NICK? ...Es begab sich, dass ich meine Hose wusch, und dieses kurzbeinige Exemplar schwarzer Baumwolle aus einem szeneeinschlägig bekannten Bekleidungsgeschäft trug diesen Namen. Klasse, dacht' ich mir, das passt zu dir – außerdem find' dich über Google keiner – dieser Nickname, das wird meiner.View all posts by blackengineer →

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