Arbeiten in einer Sehenswürdigkeit

Jeden Tag fragt man sich aufs Neue: "Was zum Henker rennen hier alle mit Stadtplan rum?", dann dämmert die Erkenntnis...

Arbeiten in einer Sehenswürdigkeit

Trinity College Dublin Campanile2

Jeden Tag fragt man sich aufs Neue: „Was zum Henker rennen hier alle mit Stadtplan rum?“, dann dämmert die Erkenntnis…

Zugegebenermaßen…

wurde mir an dem Morgen, da mich diese Frage beschäftigte, auch kurz hinterm Eingangstor von einem Typ angeboten, Gras zu kaufen, also schien ich a) nicht auf der Höhe gewesen zu sein und b) auch noch so ausgesehen zu haben, Frechheit! Da mir so ein Tütchen am Morgen aber als unnötige Investition erschien, lehnte ich dankend ab und ging weiter. Schließlich muss man beim Antreten seines Tages im rennomierten und ehrwürdigen Gebäudekomplex zuerst den Chef des Ladens begrüßen.

Dieser wartete auch, wie immer, in der Nähe des Printing House auf mich, umflattert von allerlei Tauben, die sich einen Spass daraus machten, vor der auf dem Rasen errichteten Hütte des Head of Department ihre Furchtlosigkeit zur Schau zu stellen. Wir nicken uns allerdings nur zu jeden Morgen, wie es sich in seiner Position gehört, wird dezent Abstand zum gemeinen Pöbel gehalten, auch auf Zärtlichkeiten reagiert er sehr ungehalten. Aber ein wenig Wunderlichkeit kann er sich ja leisten, bei den schönen Augen:

Cat of Department

The Cat of Department

Materialbeschaffung auf Ostdeutsch

Nach der Überquerung des Campus, vorbei an der Science Gallery, unter der Dart-Eisenbahnbrücke hindurch und ein Stück die Pearse Street entlang komme ich in meinem Lab an. Dort steht ein kleier Apparatissimo von Bose. Traurigerweise kein Superduper-Hifi-Dingens, ohne Subwoofer und ohne Verstärker (ach ja, das ist ja hier ohnehin mein Part). Es handelt sich um ein empfindliches Meßsystem zum Aufbringen von definierten Drücken auf ein zu untersuchendes Etwas. Kurz gesagt kostet es 50.000€ und keine Sau kann etwas damit anstellen. Das soll sich nun ändern. Meister Bose stand gut 3 Jahre genau an diesem Platz und von jedem, den man fragte, bekam man nur zu hören, er kenne sich damit nicht aus. Die Sekretärin schwor gar Stein und Bein, es existiere nicht, da der Aparat im Buchungssystem der Uni nicht gelistet war.

Aber Hoffnung dämmerte am Horizont, heute war der Tag, an dem sich eine Wesenheit bei uns blicken lassen wollte, die Ahnung hat. Wie sich herausstellte, war die Inbetriebnahme halb so wild (obwohl mir der Mesch zu langsam arbeitete…). Aber: Die beiden aufeinanderdrückenden Stempel der Gerätschaft sind klein und rund, für unseren Sensor benötigen wir jedoch zwei sehr verwindungssteife Plexiglasquader, die auf die Stempel geschraubt den Sensor ganzflächig (er-)drücken.

Woher nehmen wenn nicht stehlen? Eine nicht abzustreitende Vorgehensweise bei der Lösung solcher Materialprobleme im Personenkreis aus „wir hatten doch nüschdt“ besteht im Durchsuchen von Abfällen. Ähnlich wie ein Waschbär schnüffelt man sich dabei durch im Keller angesammelte Kisten mit (elektronischem) Unrat und dergleichen, bis das Passende gefunden oder zweckentfremdet wurde.

Die Lösung meiner geschätzen, aber eben aus Bayern stammenden Mentorin bestand in der Demontage einer (im Keller stehenden) Maschine, soweit schon einmal nicht schlecht. Dummerweise wird die eigentlich noch gebraucht.
Mir fiel ein, dass ich des Morgens zwischen Katze und Dart wie immer an einem Haufen Uni-Schrott vorbeilief, der wunderlicherweise täglich seine Gestalt ändert. Bei Gelegenheit wird davon mal eine Photostrecke online gestellt, aber ich schweife ab.

Haufen des Grauens

Der Haufen des Grauens, heute im Angebot: Hausschlachtene Computer all you can schlepp

Dort befand sich diesmal auch ein Konglomerat durchsichtiger Plastikpressen mit prächtigen Seitenstücken. Auf dem Weg zum Mittag „fanden“ wir dann auch gleich sehr stolz (und, um von meiner Kollegin zu sprechen, etwas besorgt wegen möglicher Beobachter) ein solches – im Bild markiertes – Utensil weg.
Nun nur noch zurechtsägen und verfeinert mit Möbelunterlegefilz, wie man sie an die Schrankbeine klebt, um den Boden zu schonen, entstand ein hochwissenschaftliches und sogar optisch professionell wirkendes Kompression-Measurement-System aus dem Zero-Budget-Bereich. Damit haben wir zwar keine Rohrverstopfung beseitigt, aber für den Bereich Ideal Standard (s.u.)

Ideal

Das schöööyne Ideal Standard Becken

hat das Trinity seine Leute.

Dr. Pümpelmann

Dr. Pümpelmann?

About the Author

blackengineer

blackengineerHier soll ich nun also Halbwahrheiten über mich verkünden: Es gab einmal den schönen Spruch "Wir sind die geworden, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt haben". Das trifft die Sache allerdings nicht unbedingt im Kern. Aber von vorn: Ich bin durch die Hölle gegangen, was in Fachkreisen auch "Studium der Elektrotechnik" heißt, und nun Ingenieur. Entgegen der landläufigen Meinung bin ich auch in der Lage, Dinge nicht ironisch auszudrücken (siehe letzter Satz), was aber für diesen Blog weitestgehend ignoriert werden darf. Das Studium fand in Dresden statt, wo ich auch meine Freundin Sarah fand, ohne die dieses Stück Internet nie entstanden wär. Ich bin ein vielinteressierter Geist und spiele gern mit Gedanken, Worten und... naja, hin und wieder auch gern Computer ;) Die Leidenschaft für alles, was mit Strom funktioniert, habe ich seit Kindesbeinen, was meinen Eltern sicher noch erschreckend bewusst sein dürfte, und da waren dichte beißende Lötdampfschwaden aus dem Keller, explodierende Kondensatoren vorm Frühstück und leidlich mit Tesafilm isolierte 230V-Stromkabelverbindungen (funktioniert bis heute!) noch harmlose Beispiele (man erinnere sich an den oben angebrachten Spruch) . Man ist mittlerweile professioneller geworden, stolzer Besitzer eines immer weiter wachsenden privaten Elektroniklabors und momentan - in Dublin: Der eigentliche Aufhänger für unseren Blog, wobei ich fürchte, dass dieser weiter wuchern wird, wenn wir im Dezember wieder deutschen Boden unter den Füßen haben. Was mache ich hier? Diese Frage wird ausführlich in den Artikeln dieser Site bearbeitet, nur kurz: Ich bin sowas wie die Geheimwaffe des Trinity Colleges für und gegen alle analogtechnischen Probleme und Entwicklungen. Eine letzte Frage sollte ich hier noch klären: WARUM DIESER NICK? ...Es begab sich, dass ich meine Hose wusch, und dieses kurzbeinige Exemplar schwarzer Baumwolle aus einem szeneeinschlägig bekannten Bekleidungsgeschäft trug diesen Namen. Klasse, dacht' ich mir, das passt zu dir – außerdem find' dich über Google keiner – dieser Nickname, das wird meiner.View all posts by blackengineer →

  1. old fatherold father09-14-2013

    absolut köstlich geschrieben,wir haben im Büro flach gelegen- so isser

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