19 Jahre on the Road powered by B18U – der treue Volvo 460

DSCN8123

Eigentlich wollte ich ja einen UAZ oder zumindest einen 1600-er Lada kaufen als ich meinen Führerschein machte. Dann stellte ich fest, dass die 740-er Volvos bis 1989 mindestens genauso eckig sind wie die Ladas und so schön den Charme der Amikarre versprühen.

Die Zusammenfassung für eine Entscheidungsfindung sah dann aber in etwa so aus:

Der Russenjeep

Der Russenjeep

der krasse Russe

der krasse Russe

740-er Chromschleuder

740-er Chromschleuder

UAZ:

Geil aber Ersatzteile nur aus Russland und Höchstgeschwindigkeit bei 120 km/h – dazu ziemlich versoffen, fällt aus.

Lada:

Aus der (wohl unbegründeten) Angst heraus so eine alte Kiste nicht lange erhalten zu können abgelehnt.

Volvo 740 – die Limo natürlich:

Motoren unzerstörbar, aber minimal bei 12l zu bewegen – und auch „sehr alt“, schade aus jetziger Sicht hätte man das ruhig machen können.

Dann eben doch Golf? Glücklicherweise gibt es noch den kleinen, jüngeren (halb-) Bruder der 700er Volvos, 440 und 460. Ich wollte umbedingt eine richtige Limo, also 460 PUNKT.

Nach einiger Sucherei im Netz fand sich dann auch einer der jüngsten seiner Art, 11 Jahre-Baujahr 1996:

Mit einem 143.000km gelaufenem 1.8l-Einspritzer-Motor „B18U“, Klima, Tüv, ABS, sogar einem Airbag, elektrischen Fensterhebern vorn, Alufelgen, Nebelscheinwerfern und Teilledersitzen, aber vergammelten hinteren Radläufen und einem Steinschlag direkt auf der Nase. Der Preis war gut, und wie schlimm soll der Rost schon sein? Also gekauft.

Der kleine Elch mit 11 jungen Jahren

Der kleine Elch mit 11 jungen Jahren

Kaum heimgefahren, da war er mir schon symphatisch. Hinten warten 450l Kofferraumvolumen auf das nächste Festival, die Sitze sind saubequem und er fährt sich echt ausgewogen – bis knapp über 200, was damals unter uns Jungs natürlich das wichtigste war. Nur das Radio- das geht nicht an, was mir beim Händler noch einen satten Rabatt einbrachte, da auch der dem Ding keinen Mucks entlocken konnte. Nach 2 Tagen hatte ich dann raus, dass der Power-Knopf nur den (unsichtbar unterm Beifahrersitz schlummernden) CD-Wechsler ansteuert, drückt man hingegen auf „FUNC“ geht das Ding, und der kostenlose CD-Wechsler liest sogar gebrannte CDs – cool. Naja und dann kam eben das was Typen wie ich in dem Alter mit ihren Autos eben so machen, erstmal gründlich polieren und dann einen Tag später extrem überladen mit Kumpels aufs nächste Festival. Den Kofferraum ordentlich mit Gesöff, Zelten und Grill zugebaut, Klappe zu und- Hoppla, da hatte ich mein Nummernschild in der Hand. Die beiden Schauben die es halten sollten hatten sich soeben von der verhärteten Plastik der Gegenstücke im Blech verabschiedet. Es ließen sich relativ einfach neue Schrauben direkt ins Blech drehen, nicht schön für die Rostvorsorge aber das war mir ja damals völlig egal. Das Nummernschild hing wieder und weiter ging die wilde Fahrt.

Auf nasser Straße hat er dann komische Sachen gemacht, und unsere gemeinsame Zeit wäre damit in einer Kurve beinahe verfrüht zuende gegangen- die Reifen waren gegen die Laufrichtung montiert, die Bremsbacken angeblich auch – klasse!

Ein Stück weiter meldete sich dann die Temperaturanzeige im roten Bereich an. Ich fuhr erst einmal voller angst vorm nahen Kolbenfresser an die Seite zum abkühlen. Wasser war drin, aber kühler wurde der Kamerad im Leerlauf nicht. Es sah aber auch nicht danach aus, dass der Motor sterben wollte, also weiter. Die Temperaturanzeige hat mir noch Jahre später Probleme gemacht, nur so viel hier war einfach das Kabel vom Sensor gerutscht und hatte sich im Motorblock verhackt, was eine ziemlich gute Verbindung gegen Fahrzeugmasse erzeugte, und das wird als schweineheiß vom Tacho interpretiert.

Wir haben dann tatsächlich ohne Panne unser Ziel erreicht und sind sogar zurückgekommen. Da wurde damnn allerdings der Sound aus den hinteren Lautsprechern immer schwachbrüstiger. Beim Ausladen fand sich auch eine menge Zeug auf unserem Gepäck, was an Esspappe erinnerte. Die Lautsprechermembrane waren zerbröselt.

Es war wohl sicherer das Auto zur Durchsicht zu bringen, bevor noch mehr versteckter Mist auftaucht. Gut so, der Zahnriemen war original, soll heißen seit 143T km im Dienst, übliches Wechselintervall ist bei 90T km. Reifen und Bremsen waren wie erwähnt falsch montiert, eine Stabistange schlug an die Karosserie an und die Spurstangenköpfe waren auch dahin. Es braucht schon einen gut bestochenen T…ÄHÄM dem Wagen so eine Plakette zu geben, und die hatte er.

Nun hatte der Elch seine Feuerprobe unter wiedrigsten Umständen hinter sich und wir wuchsen die nächsten Jahre richtig fest zusammen. Zudem lernte ich am Objekt eine unmenge KFZ-Mechatronik und die Bucht wurde mein bester Ersatzteillieferant.

Unlängst ist die Erstzulassung 19 Jahre her, nächstes Jahr gilt er dann offiziell als Youngtimer und wenn es nach mir geht wird er auch noch den Oldtimerstatus erreichen.

Was sind die Stärken und Schwächen dieses Modells?

Kontra:

– Rost an den Radläufen hinten

Rostige Angelegenheit

Rostige Angelegenheit

Das ist tatsächlich die einzige wirkliche Krankheit der 400-er, sie tritt bei allen normal benutzten Fahrzeugen dieser Gattung spätestens nach 8 Jahren auf. Schuld ist offenbar der Hohlraum, gebildet aus zwei Blechen die dort zusammengefügt sind. Zwischen Innenradhaus und Außenwand sammelt sich trotz Hohlraumkonservierung über die Jahre Feuchtigkeit und die Teile Gammeln von Innen heraus weg. Leider bemerkt man das erst, wenn der Rost durchgekommen ist und dann müssen Neuteile eingeschweißt werden, sofern man ein paar Jahre Ruhe haben will. Wer ein Schweißgerät hat und damit umgehen kann ist hier klar im Vorteil. Meine Ruhe hat übrigens 7 Jahre gehalten, wobei der Karosseriebauer sich seinerzeit für über 1000€ nicht mit Ruhm bekleckert hat und mehr Spachtelmasse als Blech eingesetzt wurde.

– Wegfahrsperre

Eine fürchterliche Elektronikkiste aus französischer Produktion, die im Alter senil wird. Der Motor springt nur an, wenn das KFZ mittels Handsender entriegelt wird. Soweit zur Theorie, irgendwann schließt der Sender noch auf aber der Motor tut nichts, später hat nicht einmal das Funkentriegeln geklappt. In einem ausführlichen Artikel gehe ich auf die Lösung des Problems ein.

– Getriebeölleckage

Ein beherrschbares Phänomen, wenn man es vorher kennt. Ab ca 160t km Laufleistung tropft der Getriebedeckel. Schnelles Handeln erspart viel Ärger, Deckel und Dichtungen am besten vor auftreten des Phänomens wechseln, Getriebeöl erneuern und gut. Ich als blutiger Auto-Anfänger habe mir Zeit gelassen. Das Getriebe hat überlebt, 500€ fürs Überholenlassen :(

Pro:

Wenn sich innerhalb eines 19-jährigen Autolebens nur 3 Punkte finden lassen, die gegen diesen Fahrzeugtyp sprechen ist der Fall klar denke ich, aber ich mache es dennoch etwas ausführlicher.

– Kein CAN-Bus oder ähnlicher nicht ohne spezielle Servicetechnik reparierbarer Kram, einfache „Schrauber“-Mechanik

Generell ist das Auto als eines der letzten so gebaut, dass man selber viel machen kann- wenn man sich traut. Keine Plastikverschalungen im Motorraum, einige wenige analoge Sensoren, keine Spezialschrauben. Alle elektrischen Signale sind „hartverdrahtet“ es gibt ein simples Steuergerät für das Motormanagement, eines für ABS und eines für den Airbag. Alle haben bisher nie gestreikt und vor allem kommunizieren sie nicht untereinander. Großer Pluspunkt.

– B18U, ein unverwüstlicher und ökonomischer Motor

Das Herz

Das Herz

Zugegeben 90 PS klingt nicht viel, dazu aber nur knapp über 1t Masse beschleunigen schon ordentlich und ich fühle mich auch im 21. Jahrhundert leistungsmäßig eher mitte-links auf Autobahnen. Dazu kommt ein mit ca 8l bei normaler Fahrweise respektabler Benzinverbrauch. Mal ehrlich, mehrfach turbogeladene downgesizete heutige Benziner die 1,5t Leergewicht abschleppen müssen bringen dagegen nicht gerade enormes Sparpotential.

 

 

– Platz, Übersichtlichkeit und komfortables Rumsitzen auf allen Plätzen

Hier versperren keine fetten A-B-C-D-whatever-Säulen die Sicht bei Fahren, man sitzt auch nach 10 Stunden Fahrt noch bequem und der Kofferraum -zugegeben kein Kombi- ist eine wahre Freude.

– Manuell auslesbare Diagnosebox

Diesem Ding werde ich einen Artikel widmen, eine LED und ein Taster reichen aus um jedes Wehwehchen der Elektronik -quasi onboard- abzufragen. Diagnosegeräte? Wozu denn sowas?

Da es zum Volvo 460 generell sehr wenig Infos im Netz gibt habe ich mich entschlossen meine Erfahrungen hier im Blog zu teilen. Jedes von mir selbst behobene Problem wird ein kleiner Artikel werden. Zusatzeinbauten und ähnliches kommen dabei auch nicht zu kurz. Die größte Hilfe bei der Arbeit ist eine Sammlung Reparaturhandbücher die ich als Scans in der Bucht schoss. Der Volvo ist in vielen Teilen baugleich mit seinem kleinen Bruder 440, somit gilt das meiste was zum Stummelheck geschrieben wurde auch für den mit Kofferraum (und mit Einschränkungen kann auch der 480-er herhalten). Aber auch hier kaum Internetseiten, die sich mit dem Kleinen beschäftigen – löbliche Ausnahme Tristan aus Leiptsch. Zudem gibt es wenigstens einen Artikel zu den 440/46o-ern im Youngtimer-Blog. worüber ich mich sehr gefreut habe.

Eines vorweg: Es ist ohne Weiteres möglich diese Autos zu erhalten, wenn man sich die Hände dreckig macht, und stehengeblieben ist er mir in 8 Jahren noch nie.

19 Jahre- was ist das schon?

19 Jahre- was ist das schon?

Einzelseiten

Tips&Tricks für:

Tachowelle

Ausbau Klimabedienteil

Ausbau Griffmulden

Fehlercodes B18U

Klebende Relais: (Und er Springt nicht an, oder doch?)

Arbeiten:

Beleuchtung Temperaturanzeige

Rücklicht tauschen

Verstärker/Radio einbauen (aka: Subwoofer lässt Kennzeichen klappern)

LWR elektrisch

Ledersitze

Nach Getriebeüberholung Schaltgestänge 1.Gang=3.Gang usw.

Scheinwerferwischer

Beleuchteter Beifahrer-Fensterheberknopf

Leseleuchten Fond auf LED+Kabinenlichtanbindung

Leerlaufsteller spinnt

Zündverteiler, Kabellage usw

Spiegel – el. Vertellmimik im Arsch

Überbrücken Wegfahrsperre+Nachrüstsatz ZV

Anlasser

Spinnende Scheinwerferwischer – Demontage Zerlegen usw.

Unterdruckschlauch Luftmischer

Kühlerschalter/Signalgeber/Thermostat-Probleme beheben +Kühlerschläuche

Kurzschluss NSW/Kennzeichenleuchte

Verbinder LIMA-Batt defekt- Leuchte BATT

Klimaanlage Tropft aus Lüfter-> Verstopftes Loch

Quietschender Lüfter

Radläufe hinten second Time

Bremsbacken Hinten second Time

Kofferraummulde gammelt

Kofferraum innen Loch

Türen gammeln

 

About the Author

blackengineer

blackengineerHier soll ich nun also Halbwahrheiten über mich verkünden: Es gab einmal den schönen Spruch "Wir sind die geworden, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt haben". Das trifft die Sache allerdings nicht unbedingt im Kern. Aber von vorn: Ich bin durch die Hölle gegangen, was in Fachkreisen auch "Studium der Elektrotechnik" heißt, und nun Ingenieur. Entgegen der landläufigen Meinung bin ich auch in der Lage, Dinge nicht ironisch auszudrücken (siehe letzter Satz), was aber für diesen Blog weitestgehend ignoriert werden darf. Das Studium fand in Dresden statt, wo ich auch meine Freundin Sarah fand, ohne die dieses Stück Internet nie entstanden wär. Ich bin ein vielinteressierter Geist und spiele gern mit Gedanken, Worten und... naja, hin und wieder auch gern Computer ;) Die Leidenschaft für alles, was mit Strom funktioniert, habe ich seit Kindesbeinen, was meinen Eltern sicher noch erschreckend bewusst sein dürfte, und da waren dichte beißende Lötdampfschwaden aus dem Keller, explodierende Kondensatoren vorm Frühstück und leidlich mit Tesafilm isolierte 230V-Stromkabelverbindungen (funktioniert bis heute!) noch harmlose Beispiele (man erinnere sich an den oben angebrachten Spruch) . Man ist mittlerweile professioneller geworden, stolzer Besitzer eines immer weiter wachsenden privaten Elektroniklabors und momentan - in Dublin: Der eigentliche Aufhänger für unseren Blog, wobei ich fürchte, dass dieser weiter wuchern wird, wenn wir im Dezember wieder deutschen Boden unter den Füßen haben. Was mache ich hier? Diese Frage wird ausführlich in den Artikeln dieser Site bearbeitet, nur kurz: Ich bin sowas wie die Geheimwaffe des Trinity Colleges für und gegen alle analogtechnischen Probleme und Entwicklungen. Eine letzte Frage sollte ich hier noch klären: WARUM DIESER NICK? ...Es begab sich, dass ich meine Hose wusch, und dieses kurzbeinige Exemplar schwarzer Baumwolle aus einem szeneeinschlägig bekannten Bekleidungsgeschäft trug diesen Namen. Klasse, dacht' ich mir, das passt zu dir – außerdem find' dich über Google keiner – dieser Nickname, das wird meiner.View all posts by blackengineer →

  1. CBOCBO04-07-2017

    Habe mir gerade auch so ein Schätzchen zugelegt…
    Danke für den Beitrag! :)

    • blackengineerblackengineer04-07-2017

      Hi Clemens,
      toll, ich wünsche dir viel Freude an und mit deinem Volvo und allzeit gute Fahrt! Es sind nur noch ca. 300 Volvo 460 1.8l in D zugelassen, bist also was ganz besonderes =)

Leave a Reply